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„Freunde, dass der Mandelzweig wieder blüht und treibt…“

Schriftzug: "Mandelzweig"

Liebe Gemeinde

diese Liedzeile kam mir neulich in den Sinn und verschwand daraus nicht mehr. Vielleicht kennen Sie das Lied aus dem Evangelischen Gesangbuch. Die Strophe geht weiter „ist das nicht ein Fingerzeig, dass die Liebe bleibt.“
Viele Blüten sind mittlerweile aufgebrochen, fast zeitgleich mit der unsichtbaren und doch so fühlbaren Bedrohlichkeit und Bedrohung durch das Corona-Virus. Hier muss nicht aufgezählt werden, wie vielgestaltig das Leid war und noch ist und auch noch eine Weile bleiben wird, dass diese Seuche über die Erde gebracht hat: Tod, Einsamkeit, Angst, Wut und Unverständnis, das alles trifft tagtäglich aufeinander.
Die Liedzeile stammt aus einem Gedicht Shalom Ben-Chorins, das er 1942 angesichts eines realen Mandelbaumes in Israel dichtete, wohin er vor den Nazis geflohen war. Mitten im Zweiten Weltkrieg, mitten in der unvorstellbaren Leidensgeschichte des jüdischen Volkes nimmt er dies als ein „Zeichen“, dass der Sieg dem Leben gehört. Ihn erinnert das offenbar an einen Vers aus der Berufungsgeschichte Jeremias (Jer 1,11), der mit dem hebräischen Wortspiel „shaked“ – „shoked“ arbeitet: „Mandelbaum“ und „wachen“. Gott wird über sein Wort wachen, so wird Jeremia angesichts eines solchen Zweiges überzeugt, so ist die Verheißung, die Jeremia dazu anhalten soll, nicht abzulassen, seine Botschaft zu verkünden. In ganz anderer Weise zwar, aber doch unter der gleichen Verheißung sind wir gefordert, weiterzumachen, weiterzuhoffen, weiterzusagen, was wir empfangen haben. In die Ängste hinein, in das Unverständnis hinein, in die Einsamkeit hinein und in das Leiden und Sterben hinein: Gottes Wort bleibt, darüber wacht er selbst.

Das haben wir Ostern unter merkwürdigen Bedingungen gefeiert, dass Gottes Wort bleibt, Gottes Leben bleibt.
So nehme ich die aufbrechenden Blüten, die mittlerweile schon dem Blattwerk des Sommers gewichen sind und dereinst den Früchten weichen werden, als Fingerzeig, dass das Leben bleibt. Die Mandelbäume blühen in Israel im Februar, wenn auf dem Gebirge noch Schnee liegt, unsere frohe Botschaft gilt jetzt schon, auch wenn wir uns in einer Zeit fühlen, die dieser Freude nicht entspricht.
Was sind Ihre Mandelzweige?
Zeichen der Hoffnung, dass das Leben siegt, dass die Liebe bleibt.
Sammeln Sie sie, halten Sie die Augen auf.
Das Lied endet:
„Freunde, dass der Mandelzweig Sich in Blüten wiegt, Bleibe uns ein Fingerzeig, Wie das Leben siegt.“
Diese Zuversicht wünsche ich uns allen.

Ihr Pastor Christoph Nooke