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"Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer."

Eine Krippe, darüber eine Krone und ein Stern

(Sach 9,9b) (Wochenspruch zum 1. Advent)

Mit großem Aufwand betritt der neue Herrscher die Bühne. Er wird in einer goldenen Sänfte getragen, vor ihm werden Blütenblätter auf die Straßen gestreut. Tänzerinnen und Tänzer begleiten den Zug, eine würdevolle Parade von edlen Pferden und exotischen Tieren ver-vollständigt den bombastischen Eindruck, den dieser Herrscher hinterlassen will.
„Siehe, dein König kommt zu dir. Und damit du auch merkst, dass uns Welten trennen, habe ich diesen ganzen Aufwand betrieben“, so denkt der Herrscher auf seinem Samtkissen. Und der Aufwand lohnt sich, das Volk jubelt ihm zu. – Auch wenn das natürlich eine etwas alter-tümliche Vorstellung ist, erinnern auch heutigentags noch Zeremonien an dieses Format. Es geht immer darum, deutlich zu machen: Der da kommt, der ist uns überlegen. Unnahbar, unerreichbar, göttlich. Ob es der Präsident ist, für den ganze Straßenzüge gesperrt werden müssen oder der Popstar, dem der rote Teppich ausgerollt wird – immer ist die Botschaft die gleiche: „Uns trennen Welten, ihr lieben einfachen Leute.“

Im Advent warten wir auf einen anderen König, einen Gerechten und einen Helfer, so lesen wir es jedes Jahr bei Sacharja, wir singen von der Tochter Zion, die sich über diese Ankunft freut. Wir sind meist schon sehr weihnachtlich unterwegs und reagieren automatisch: Ach ja, König auf dem Esel. Kennen wir. Ach ja, kennen wir? Oder übersehen wir da was Wichtiges?
Der König als Helfer? Darüber kann man schon stolpern. Wir kennen so viele Helfer: Menschen, die sich einsetzen für andere. Menschen, die da sind. Menschen in unserer Gemeinde, die heim-lich still und leise den Laden am Laufen halten, die möglich machen, dass wir Gottesdienste feiern können, Musik haben, Gesang, Gemeindegruppen, Gemeindeleitung und, und, und. Das sind Helfer. Es gibt Menschen, die einander im Blick haben, die sehen, wo es brennt, wo Sorge ist, wo Not ist. Menschen, die sich der Geflüchteten annehmen und der Traurigen, der Einsamen und der Orientierungslosen.

Im hebräischen Text steht da ein Wort, das vor allem auch „Rettung“ bedeuten kann, in der griechischen Übersetzung steht dann ganz klar: „Retter“!
Hilfe ist nicht nur ein kleiner Dienst. Hilfe kann auch Rettung sein. Rettung vor der Bedeutungslosigkeit unserer Kirche in der Welt. Rettung vor der Einsamkeit. Rettung vor der Aussichtslosigkeit eines Lebens im fremden Land. Rettung vor dem Tod.
Dieser König, der da kommt, der ist der Retter, weil und indem er der Helfer ist. Der ist der Retter, weil und indem er uns aufsucht, Mensch geworden ist, uns anschaut und sein Leben für die Menschen lebt. Seine ganze Kraft dafür aufwendet, eben dieser zu sein, der Gerechte und der Helfer: Er zieht nicht nach Jerusalem ein, um dort im Palast zu wohnen, sondern um den Weg ans Kreuz zu gehen.
Auf diesen König warten wir im Advent. Den, der uns sieht. Den, der sein Leben für uns gelebt hat. Den, der uns richtet, indem er uns aufrichtet. Jesus Christus. Und in seinem Gefolge sind keine prächtigen Pferde und exotischen Tiere, keine Tänzer, sondern da sind wir: Helferinnen und Helfer, Retter an Christi statt. Menschen, die im Licht des Advents das österliche Strahlen sehen und es in die Welt tragen. Amen

(Pfarrer Dr. Nooke)